Aktuelle Ausstellung

Postkarten aus der Vergangenheit - 28. März bis 25. Oktober 2019

Kreisverwaltung Rheingau-Taunus-Kreis

Heimbacher Straße 7 - 5307 Bad Schwalbach 

 

Die Ausstellung findet im 2. Stockwerk statt und ist zu den offiziellen Öffnungszeiten zugänglich: 

Montag bis Freitag 08.00 bis 12.00 Uhr

Dienstags zusätzlich von 14.00 bis 18.00 Uhr 

 


Die Bilder der Ausstellung und ihre Geschichten

1. Rüdesheim am Rhein - Rheinstraße

1951 erhielt eine Maria Pfeiffer aus Grünstadt in der Pfalz einen Gruß von Katharina und Harald aus Rüdesheim am Rhein. Ob diese nach ihrer beschriebenen "Dampferfahrt" im Hotel Germania oder dem Hotel Traube Rüdesheim übernachteten, beide Hotels gehören noch immer zum Rüdesheimer Stadtbild, geht aus dieser Postkarte aus der Vergangenheit leider nicht hervor.

 

67 Jahre nach der Reise dieser Postkarte erstrahlte die Rüdesheimer Rheinstraße am letzten Septembersonntag 2018 in einem wunder-schönen Morgenlicht.

 

Das hätte Maria, Katharina und Harald sicherlich auch gefallen.

2. Oestrich-Winkel - Marktplatz

Am 15. August 1968 schickte eine Edith diese Postkarte aus der damals noch eigenständigen Gemeinde Oestrich zu einer gewissen Chantal de Saxcè nach Paris. Fast 50 Jahre später, am 2. Juli 2018, gesellte sich Herr Böhm von der Stadtverwaltung Oestrich-Winkel auf das Bild des Oestricher Marktplatzes im Wandel von 50 Jahren!

 

Vielen Dank an Herrn Böhm für seine spontane Belebung dieser Postkarte aus der Vergangenheit und an Florian Nahrgang, der mir Ediths Karte zur Verfügung gestellt hat, um 50 Jahre Oestricher Stadtgeschichte auf einem Foto zu vereinen.  Vier Jahre nach Ediths Grüßen an Chantal wurde im Rahmen der Hessischen Gebietsreform aus den Gemeinden Oestrich, Winkel und Mittelheim das heutige Oestrich-Winkel.

3. Idstein - Hexenturm

Ein nicht genau datierter Blick auf den Idsteiner Hexenturm in den 1950er Jahren. Diese Postkarte fand keinen Versender, liefert dafür aber einen wunderbaren Blick in die prächtige Idsteiner Altstadt, den ich im September 2018 ebenso genossen habe.

 

Das baulich mehrfach veränderte Wahrzeichen der Stadt Idstein erfuhr nach heutigen Erkenntnissen bereits 1170 seine erste Bauphase Das heutige Dach erhielt der frühere Wehrturm im Jahr 1810.

 

Die bummelnden Spaziergänger aus den 1950er Jahren ergänzen sich ganz wunderbar mit der Spaziergängerin Andrea, die zugegebenermaßen nicht ganz zufällig durch das Bild lief.

4. Bad Schwalbach - Brunnenstraße 

Auf der aus dem Jahr 1965 stammenden Postkarte von Bad Schwalbach gibt es so viel zu entdecken, dass es schade gewesen wäre, sie in der üblichen Größe ins Bild zu bringen. Daher habe ich sie etwas präsenter in das Stadtbild des Jahres 2018 integriert.

 

Aus der heutigen Kreisstadt sorgen Sead mit Familie für einen weiteren Blickfang rund um diese Postkarte aus der Vergangenheit, die Stadtkennern zeigt, dass sich viele der markanten Ansichten in der Kurstadt in den vergangenen 54 Jahren kaum verändert haben.

 

Die Postkarte selbst fand seit ihrem Druck 1965 übrigens nie zu ihrer Bestimmung. Sie gilt als „ungelaufen“.

5. Eltville am Rhein - Rheinufer

Im Juli 1938 machte sich diese Postkarte auf die Reise von Eltville am Rhein zu einem Karl in einer leider nicht mehr lesbaren Stadt.

 

Der Turm der kurfürstlichen Burg ziert nicht nur das Motiv der Karte, sondern ist auch auf dem Poststempel zu sehen. Das Wahrzeichen der größten Stadt im Rheingau, die in ihrer fast tausendjährigen Geschichte erst 1812 zu ihrem heutigen Namen fand und sich im 15. Jahrhundert sogar weitaus weniger wohlklingend Ellfeld nannte.

 

Ein schöner Sommertag im Jahr 2015 bildete die Kulisse für die Inszenierung dieser nunmehr schon 80 Jahre alten Postkarte aus der Vergangenheit mit der immer noch sehr einladenden Uferpromenade.

6. Die Hühnerkirche

Erst auf den zweiten Blick fallen die 66 Jahre auf, die zwischen dem 12. Oktober 1952, an dem die Gasthof Hühnerkirche-Postkarte be-schriftet wurde, und dem 1. Oktober 2018 liegen; der Tag, an dem ich mit der Postkarte an der B417 bei Hünstetten-Wallbach stand!

 

Eine Familie Reifenscheid nutzte diese alte Postkarte offensichtlich zur Dokumentation eines Sonntags-Ausflugs – der 12. Oktober 1952 war tatsächlich ein Sonntag – der sie über Frankfurt-Hoechst nach Idstein, zur Hühnerkirche, nach Eltville und zurück gen Frankfurt führte.

 

Seinen Namen verdankt das Hofgut, an dessen Örtlichkeit im 16./17. Jahrhundert eine Kirche stand, eben dieser „Kirche am Honerberg“.

7. Schlangenbad

Am 17. August 1937 grüßte Lena ihre Freundin Waltraud Zendler mit Mutter. Aus dem Heilbad Schlangenbad gingen die Grüße nach Triberg in den Schwarzwald.

 

82 Jahre später, im August 2018, blickte ich ebenfalls auf das unver-ändert schöne ehemalige Kurhaus, welches 1913 erbaut wurde und nach einem Zwischenspiel als Hotel mittlerweile eine Privatklinik ist.

 

Im ältesten anerkannten hessischen Heilbad ist die in Deutschland sehr selten auftretende Äskupalnatter, immerhin eine der größten Schlangenarten Europas, Namensgeberin. Bei Waltraud in Triberg machte das damals sicherlich großen Eindruck.

8. Das Niederwalddenkmal

Fast auf den Tag genau 100 Jahre liegen zwischen den Menschen-gruppen am Fuße der Germania, der Statue des weltberühmten Niederwalddenkmals in Rüdesheim am Rhein.  Was genau am 3. August 1916 in Rüdesheim inmitten der Wirren des 1. Weltkrieges geschah, zu dessen Andenken sich die Menschen auf den unteren Treppenstufen fotografieren ließen, fand ich nicht mehr heraus.

Sicherlich ein weitaus friedlicherer Anlass, nämlich herrliches Sommerwetter, bot sich den Besuchern des 1883 nach sechsjähriger Bauzeit fertig gestellten Rüdesheimer Wahrzeichens im August 2016. Anders als bei den übrigen Postkarten meiner Sammlung, zeige ich hier nur einen Ausschnitt der alten Karte, um die beiden Besuchergruppen und ihre 100-jährige Geschichte in einem Bild zu vereinen.

9. Geisenheim

Am 20. März 1971 machte sich diese Postkarte aus der Lindenstadt Geisenheim auf den Weg nach Terlan im Südtiroler Etschtal.  Annemarie Maus dürfte sich damals über den Anblick einer in voller Pracht blühenden Linde, dem Geisenheimer Wahrzeichen, sicherlich sehr gefreut haben.

Luise, die ihr diese Karte vor 48 Jahren schickte, würde sich heute sicherlich wundern, wie sehr sich der schöne Baum im Laufe der Zeit verändert hat. Allerdings ist das Gewächs auf dem Marktplatz der Stadt, in der Landrat Frank Kilian einst aufwuchs und sechs Jahre lang das Bürgermeisteramt innehatte, auch schon rund 700 Jahre alt. Wie schön, dass uns Luise und Annemarie die Möglichkeit geben, die einstmalige Pracht der Geisenheimer Linde bestaunen zu können.

10. Aarbergen-Michelbach

Vom 27. auf den 28. Juni 1959 verbrachte ein gewisser Helmut Tepel zusammen mit Oma Lu und Emil wohl eine Nacht im damaligen Michelbach/Nassau und notierte dies auf dieser Postkarte aus dem mittlerweile größten Ortsteil Aarbergens.

 

Das beschauliche Städtchen gehörte bis 1866 zum Herzogtum Nassau und schloss sich anlässlich der Gebietsreform im Jahr 1970 zusammen mit fünf Nachbargemeinden zur neuen Gemeinde Aarbergen zusammen. Den Blick, den Helmuts Postkarte seinerzeit auf die Wehrkirche aus dem mutmaßlich 12. Jahrhundert freigab, kann man mittlerweile nur noch nach längerer Suche und mit freundlicher Genehmigung Michelbacher Grundstückseigentümer aufsuchen.

11. Kloster Eberbach

Die vielleicht weltweit berühmteste Stätte im Rheingau-Taunus-Kreis:  1136 gegründet, erlebte das altehrwürdige Gemäuer auch weit über seine Säkularisation im Jahre 1803 hinaus eine wahrhaft wechselhafte Geschichte und diente zeitweise als Zuchthaus, Heilanstalt und Militärgenesungsheim. Noch immer sind nicht alle geschichtlichen Hintergründe des früheren Zisterzienserklosters abschließend erforscht.

Die Postkarte, die den alten Klostergarten mitsamt Brunnen zeigt, stammt aus dem Jahr 1921. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten lässt sich der ehemalige Klostergarten seit Jahresbeginn 2019 im neuen Gewand bestaunen und gibt der alten Postkarte einen würdevollen Rahmen. Um die gesamte Größe der Frontansicht auf ein Bild zu bringen, waren 60 Einzelaufnahmen nötig, die schließlich zu einem Panoramabild eines meiner liebsten Orte in meiner Heimatregion zusammengesetzt wurden.  

12. Idstein - Residenzschloss

Als Teil der im 11. Jahrhundert errichteten Idsteiner Burganlage wurde das im Renaissancestil entworfene Schloss im Jahr 1614 erbaut. Während die alte Burg kurz darauf abgerissen und umgestaltet wurde, hat sich das Residenzschloss bis zur heutigen Zeit trotz regelmäßig wechselnder Nutzung gut gehalten.

 

Die nicht datierte Postkarte zeigt es als Genesungsheim für ehemalige Angehörige der preußischen Armee. Ab 1905 diente das alt-ehrwürdige Gemäuer diesem Zweck, bis es kurz nach Ende des ersten Weltkrieges zur Unterbringung französischer Soldaten genutzt wurde. Die alte Postkarte entstand also irgendwann in den Jahren 1905 bis 1919. Seit 1946 ist das Schloss Heimat der Pestalozzischule Idstein.

13. Laufenselden

Auch der heutige Sitz der Gemeindeverwaltung Heidenrod kann mit einer Postkarte aus der Vergangenheit einige Jahre in der Zeit zurück reisen.  Am 18. April 1943 bedankte sich ein Wilhelm Wüst mit dieser Karte bei der Familie Wilhelm Schäfer aus Worms, die offensichtlich schon zum wiederholten Male ihren Urlaub in Laufenselden verbrachte.

 

Das Motiv der 76 alten Postkarte zeigt die evangelische Kirche aus dem frühen 12. Jahrhundert. Die Radfahrer, die aus der alten Ansicht in die die heutige gleiten, stammen aus dem August 2018. Laufenselden selbst, urkundlich erstmals 1260 als Loifenselden erwähnt, gehört seit 1971 der Gemeinde Heidenrod an und ist mit 2.000 Einwohnern auch der größte Ortsteil von Heidenrod.

14. Oestrich-Winkel - Hotel Schwan

Am 2. September 1960 schickten Hans-Joachim und Mutti der lieben Rosemarie und ihrem Hans aus Weiler im Kreis Heilbronn einen Gruß aus dem damaligen Oestrich (noch ohne -Winkel) vom Hotel Schwan, einem der ältesten und geschichtsträchtigsten Unterkünfte nicht nur im Rheingau-Taunus-Kreis.

 

Rein äußerlich bietet das traditionsreiche Hotel einen scheinbar zeitlosen Anblick. Aus dem Jahr 1628 stammt das familiengeführte Hotel, in dem schon Sir Sean Connery und der Dalai Lama nächtigten, welches  ursprünglich die Pferdeführer der früheren Treidelschifffahrt beherbergte und auch die alten Schweden im 30-jährigen Krieg schadlos überstand.

15. Bad Schwalbach - Rotenburger Schlösschen

Im August 1913 trat diese Postkarte ihren Weg nach Luxemburg an. In den vergangenen 106 Jahren hat sich sowohl das Kurhaus sehr verändert, wie auch die St.-Elisabeth-Kirche, die ein Jahr nach dem Versand der alten Postkarte abgerissen wurde (1914). Die heutige Kirche wurde nach zweijähriger Bauzeit 1916 geweiht und ist sichtbar um einiges größer als der alte Bau. 

Das 1602 erbaute „Rotenburger Schlösschen“, welches neben dem ursprünglichen Landratsamt einst auch das Zollamt beherbergte und davor als Sitz des Hohensteiner Amtes im 18. Jahrhundert diente, steht noch genauso da, wie es die Postkarte zeigt.

Es ist nun Sitz des Amtsgerichts der Kreisstadt, die erst 1927 zu ihrem heutigen Namen kam.

16. Das Rheintal bei Lorch

Am 23. April 1935 schickte Johann Preussing diese Karte aus Lorch am Rhein nach Berlin zu einem Hermann Vogh. 83 Jahre und ein paar anstrengende Klettereien durch steile Weinbergslagen und über Schieferfelsen später kehrte diese Postkarte aus der Vergangenheit an den Ort zurück, an dem sie einst entstand. 

Ein wunderbarer Ausblick von oberhalb der Burg Fürstenberg in Oberdiebach auf den Rhein und dem Schifffahrtstreiben vor dem beschaulichen Lorch. Kaum verwunderlich, dass Johann damals so beeindruckt war. Die Burg Fürstenberg steht übrigens seit genau 800 Jahren über dem Rhein, erbaut im Jahr 1219. Die Weinstadt Lorch bringt es auf eine mehr als 100 Jahre ältere Geschichte. Sie wurde erstmals 1085 urkundlich erwähnt.  

17. Eltville am Rhein - Altstadt 

Die neben Geisenheim jüngste Karte der Sammlung zeigt die Eltviller Altstadt im Jahr 1971. Durch diese schmale Ortsdurchfahrt quälte sich bis zur Fertigstellung der Umgehungsstraße der B42 im Jahr 1989 tagtäglich der Berufsverkehr und sorgte schon mal für Fahrzeiten von einer Stunde und mehr aus dem Rheingau hinaus nach Wiesbaden oder Mainz.

30 Jahre dauerte es von den ersten Planungen bis zur Freigabe der vierspurigen Umgehungsstraße, die ab Wiesbaden-Frauenstein in die Autobahn 66 mündet.

Im Gebäude der Eltviller Mediathek rechts im 2016 fotografierten Bild befand sich im Jahr der alten Postkarte übrigens noch die Eltviller Polizeistation, die erst 1986 an ihren heutigen Standort umzog.

18. Assmannshausen

„Grüße vom Rhein – An Bord des Dampfers Hindenburg“ ist diese Postkarte aus dem Jahr 1929 auf der Rückseite gestempelt.  Leider ist die Handschrift über die Jahre stark verblasst und lässt sich nur schwer entziffern. Die vor dem Assmannshausen des Jahres 2019 liegende „Hindenburg“ auf der Postkarte von Assmannshausen des Jahres 1929 wurde 1916 von der „Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt“ gebaut und konnte 2.500 Passagiere durch das Rheintal fahren.

 

Ab 1945 fuhr sie als MS „Frieden“ und fiel 1968 leider dem Großbrand im Kölner Rheinauhafen zum Opfer. Durch das Feuer wurde das Schiff nahezu vollständig zerstört. Ein Jahr später wurde der einstmals so stolze Raddampfer nach über 50 Dienstjahren schließlich verschrottet.

19. Bad Camberg

Zwischendurch ein kleiner Abstecher in den benachbarten Landkreis Limburg-Weilburg:  Am 19. Juni 1952 schickte Hedwig König aus Bad Ems diese alte Postkarte der historischen Altstadt Bad Camberg an den Herrn Studienrat Walter List nach Weißenburg in Bayern und berichtete ausführlich von ihrem Urlaub in der Kneippkurstadt.

 

Ähnlich ausführlich demonstrierte das vorgezogene Aprilwetter im März 2019 seine Vielseitigkeit bei der Rückkehr der "Postkarte aus der Vergangenheit" an ihre alte Wirkungsstätte, nach immerhin 67 Jahren.

Aus dem Jahr 1380 datiert das älteste Haus auf dem sehenswerten historischen Marktplatz Bad Cambergs, das sich seit 1927 Kurort nennen darf und seit 1977 staatlich anerkanntes Kneippheilbad ist.

20. Idstein - König Adolf Platz

Susi Müller aus Gießen erhielt einst diese Postkarte, wohl von einem Verehrer aus Idstein. Der heutige König-Adolf-Platz, errichtet in den 1930er Jahren und benannt nach dem einzigen deutschen König aus dem Hause Nassau (13. Jahrhundert), wurde in der Zeit der alten Karte von den Nationalsozialisten als Adolf Hitler Platz bezeichnet und erhielt seinen ursprünglichen Namen erst 1946 wieder.

Die ältesten Häuser dieses Mittelpunkts der Idsteiner Altstadt stammen aus dem 16. Jahrhundert. Seit 1986 ist der König-Adolf-Platz eine Fußgängerzone.  

 

Das Bild entstand aus dem Fenster des Kopierraums der Idsteiner Stadtverwaltung im berühmten „Schiefen Haus“, erbaut im Jahr 1727.

21. Der Oestricher Kran

Eines der bekanntesten Rheingauer Wahrzeichen: Der historische Oestricher Kran am Rheinufer vor Oestrich-Winkel. Vorwiegend zum Verladen von Weinfässern und Baumstämmen erbaut, wurde der alte Schiffskran im August 1745 in Betrieb genommen und verrichtete bis ins Jahr 1926 seine Arbeit. Kurz nach seiner Außerdienststellung dürfte dieses alte undatierte Foto entstanden sein.

Zwar keine Postkarte, ist es aber dennoch ein spannend anzusehendes Zeitdokument. Ob Al Capone oder einer seiner Gefährten seinerzeit versuchte, im Rheingau Fuß zu fassen?

Als einer der letzten alten Verladekräne dieser Art am Rhein steht das Wahrzeichen an vielen Wochenenden im Sommerhalbjahr zur kostenlosen Besichtigung und Führung offen.

22. Die Abtei St. Hildegard

Nach vierjähriger Bauzeit wurde die oberhalb von Rüdesheim-Eibingen liegende Abtei St. Hildegard im Jahr 1904 fertiggestellt. Benannt ist sie nach der von der römisch-katholischen Kirche heilig gesprochenen Hildegard von Bingen (1098 – 1179), der Gründerin und ersten Äbtin des Benediktinerinnen-Ordens.

Seit 2002 ist die Abtei Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal. Ein eigenes Weingut sowie ein Klosterladen mit Schriften und Büchern über und aus der Feder der Namensgeberin machen den Besuch der Abtei ebenso empfehlenswert, wie der fantastische Ausblick, den man aus dem auf der Postkarte zu sehenden Kloster-garten in das Rheintal vor Rüdesheim genießen kann. Am 1. Juli 1956 schickte Franz Böhmelmann aus Mainz dem Fräulein Annemarie Pulch nach Bad Bertrich in der Vulkaneifel diese Karte. 13 Jahre später erblickte ich in Eibingen das Licht der Welt und genoss über lange Jahre den Blick auf die Abtei aus meinem Kinderzimmer. 

23. Bad Schwalbach - Kurpark

Aus der Zeit vor 1927 stammt diese ungelaufene Postkarte des Kur-parks in Bad Langenschwalbach und wird umrahmt vom Kurpark während der Landesgartenschau in Bad Schwalbach des Jahres 2018.

 

Passionierte Postkartenfotografen wissen, dass die Kur und Kreisstadt ihren heutigen Namen erst im April 1927 erhielt. 1352 wird „Langinswalbach“ erstmals erwähnt und erhielt den bis 1927 gültigen Namen (Bad) Langenschwalbach im 16. Jahrhundert. 

 

Schon zum Ende des 16. Jahrhunderts fanden die „heilenden Wasser“ der Stadt Erwähnung und nach dem Wiederaufbau in Folge des dreißig-jährigen Krieges setzte ein regelrechter Boom um das Bad Langenschwalbacher Heilwasser ein.  

24. Idstein - Limburger Straße

Noch einmal zurück nach Idstein. In die Limburger Straße des Jahres 1925 mit der früheren Baugewerkschule. Das Gebäude der 1869 gegründeten städtischen Baugewerk- und Maschinenbauschule wurde 1893 nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt und steht noch immer an seinem Platz.

 

Allerdings wird es seit 1995 von der Fresenius Hochschule genutzt. Zuvor stand es lange Jahre in Diensten der Fachhochschule Wiesbaden.

 

Anna und Wolff schickten diese Karte am 4. September 1925 mit herzlichsten Grüßen dem lieben Kurt Mandler nach Leipzig, bevor das Zeitdokument 94 Jahre später in seine Heimat zurückkehrte.

25. Rüdesheim am Rhein - Rheinblick

Mit meiner ersten „Postkarte aus der Vergangenheit“ überhaupt, fotografiert im Sommer 2015, endet die Reise de alten Karten durch meine Heimatregion. Zumindest vorläufig.

 

Am 27. Mai 1906 schickte sie A. Sieberling einem Philipp Weigand in die Pfalz nach Kaiserslautern, wo diese Postkarte schon einen Tag später ihren „Eingangsstempel“ erhielt. Damals wie heute ein wunderschöner Blick aus den Rüdesheimer Weinbergen über die Brömserburg und den Turm der Boosenburg hinüber zum Rochusberg nach Bingen.

 

Karte wie diese zeigen, dass es sich auch nach 113 Jahren immer noch lohnt, Wege zu suchen und Ziele zu finden. Mit Postkarten und ohne.


26. Wiesbaden - Kurhaus

Inspiriert von den ersten gelungenen Bildern aus meiner Heimat, dem Rheingau, beschloss ich 2017, Wiesbaden auf die selbe Art und Weise zu erkunden. Also bestellte ich ein ganzes Postkarten-Set der Landeshauptstadt und zog in Begleitung meiner äußerst ortskundigen Partnerin Doris, eine gebürtige Wiesbadenerin, los.

Zwar sind sämtliche Karten aus dem Set undatiert, es handelt sich um Nachdrucke, dennoch lassen sie äußerst spannende Blicke auf Wiesbaden zum Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu.

Den Auftakt dieser Reihe bildete das neue Kurhaus, welches zu seiner Eröffnung im Jahr 1907 von Kaiser Wilhelm II. als das „schönste Kurhaus der Welt“ bezeichnet wurde. Eine Meinung, die man sicher nicht nur in Wiesbaden teilen mag.  

27. Wiesbaden - Friedrichstraße 

Im Sommer 2018 wurden verschiedene Medien auf meine „Wiesbadener Edition“ der Postkarten-Serie aufmerksam. So kam es, dass ich zunächst mit RTL Hessen in der Landeshauptstadt unterwegs war und vier Wochen später mich ein Kamerateam von 17.30 SAT.1 Live begleitete, während ich zur Verwunderung mancher Passanten in der Wiesbadener Innenstadt Postkarten vor die Kamera hielt.

Diese Karte offenbart den Blick entlang der Bahnhofstraße zur Fried-richstraße und auf das Rathaus. Der imposante Turm der Marktkirche, das Gebäude der Volksbank links und natürlich das Rathaus haben die Zeit überstanden. Das markante alte Polizeipräsidium und das kleine Gebäude eines Möbellagers auf dem heutigen Dern’schen Gelände sind längst Geschichte.

28. Wiesbaden - Rheinstraße 

Auch diese Postkarte wurde für ein Fernsehteam vor meine Kamera gehalten und enthält durchaus politische Brisanz. Denn über die Rhein-straße fuhr in früheren Zeiten tatsächlich eine Straßenbahn. Von 1875 bis 1955 gab es nämlich in Wiesbaden eine solche Stadtbahn, die zeit-weise mit neun Linien verkehrte (1914).

Streitigkeiten zwischen Betreiber und Stadt führten aber nach und nach zur Reduzierung der Linien, bevor im April 1955 mit Schließung der drei verbliebenen Linien das Ende der Bahn besiegelt war.

Während das aktuelle Thema Citybahn die Landeshauptstadt sicherlich noch einige Zeit beschäftigen wird, stand ich im Sommer 2018 völlig arglos auf der Treppe zur Ringkirche und blickte einige Jahrzehnte zu-rück die Rheinstraße hinunter.